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Wie wärs mit anfangen? Niemals Stillstand.

Heute schon eine Challenge absolviert? Nein. Auch gut!

Eine kritische Reflexion zum Thema Challenge

Ich habe gerade meine Weiterbildung zur systemischen Coachin genossen und möchte ein paar Gedanken mit euch teilen. Da dieser Begriff nicht geschützt ist, kursieren dort draußen alle vermeintlichen Ansichten und meist ist mir eins aufgefallen. Deswegen versuche ich es mal mit mehr Realität anstelle von „Schön- Malerei“:

Überall findest du diese „positive Mindset“ Coaches die dir versprechen mit ihrer Hilfe oder ihrem Programm wird alles besser. Dein Leben ist nur einen Klick entfernt von der Bilderbuch Romantik. Dieses Erfolgs Leben ohne Tiefpunkte zum Greifen nahe. Doch weit verfehlt. Das reality Dilemma: der Begriff ist hochgradig verfälscht und missbraucht. Also Obacht, wie meine Kolleg*Innen in Süddeutschland so schön sagen. Versteh mich nicht falsch, ein/e Coach*in an deiner Seite kann dir einiges aufzeigen. Doch viel zu oft wird aus dem Begleiten der Lösungsfindung ein Helfen und überteuerte Ratschläge. Denn die beste Eigenschaft die ein/e Coach*in besitzt ist: Fragen stellen. Er/Sie stellt genau zum richtigen Zeitpunkt die tiefgreifenden Fragen die an deinen möglichen Ressourcen ansetzen, ohne jegliche Wertung oder über griffigen Annahmen. Deine intrinsischen und intuitiven Gedankenblitze kochen hoch und lassen dich über den Tellerrand schauen. Alles was du dafür brauchst: dich und das Heraustreten aus deinen einengenden Denkmustern. Wichtig in jedem Coaching ist die Begegnung auf Augenhöhe, denn auch hier ist Kommunikation wieder King und Wertschätzung spielt die Musik. Der/Die Coach*in hat keine Lösung parat oder wenn doch sollte er/sie diese hinterm Berg halten, denn alles was du zur Lösungsfindung brauchst steckt in dir. Wir öffnen lediglich unseren Werkzeugkoffer und kramen mit dir tief darin wie wir den Nagel am besten standfest in die Wand schlagen. Das Gute dabei, drehst du an einer Stellschraube verändert sich das ganze Systemrad. Denn Systeme bedingen sich gegenseitig und stehen ständig in Kontakt. Dabei sind Widerstände und Aufbäumen innerhalb der unterschiedlichsten Systeme normal. Aus der Komfortzone rausbewegen fällt nicht jedem/jeder leicht und so ist die erste Reaktion dagegenhalten. Aber ja Haltung entscheidet und wenn du erst mal deine Haltung eingenommen hast wirst du der Gegenkraft standhalten. Also mach dir nichts vor. Veränderung kostet Kraft und jede/r die/der dir verspricht, dass es mit eins, zwei Tools einfach wäre der hat noch nie vor verschlossener Türe verharrt. Die freudige Nachricht den Schlüssel zu dieser Tür hast du, du musst ihn nur Suchen wollen. Also lass dir nichts von oben aufdrücken, sondern suche dir jemand der mit dir auf deinem Pfad wandert und nicht schon Meilen vorauseilt.

Viel zu oft hören wir in diesem Kontext auch das allseits beliebte Wort der Challenge. Aber schauen wir einmal genauer hin: Challenge zu Deutsch: Herausforderung. Ok Interessant. Eigentlich sind die Bedeutungen ähnlich. Aber irgendwie machen meine Synapsen da einen Unterschied und deine? Fällt das Wort Herausforderung kommt meine kleine feine rebellische Ader in Aktion, sich mit Mut einer großen Aufgabe stellen zu wollen oder auch manchmal müssen. Beim Wort Challenge. Sorry Leute, aber da muss ich gefühlt einfach nur (es hängt mir zum Hals raus) brechen. Auch wenn Challenge in einigen Bereichen oftmals einen sozialen Charakter hat, was wiederum echt exzellent ist, wird es heute oft benutzt um unserem jetzigen ICH den Kampf anzusagen ohne zu hinterfragen inwiefern diese Challenge mir wirklich entspricht. Oftmals wird einem Ideal nachgeeifert um sich nach dieser Challenge in irgendeine andere Schublade stecken zu können, welche vermeintlich besser angesehen ist. Wäre es nicht viel angebrachter zu schauen was uns intrinsisch motiviert? Stattdessen schreiben wir uns lange To-Do Listen, markieren unerreichbare Ziele und bekommen den ganzen Tag von Social Media vorgehalten an welcher Challenge wir jetzt noch teilnehmen könnten.

Gerade zu Beginn des neuen Jahres hatte ich dieses Gefühl, alle sind sich mittlerweile einig: „Ach, Neujahrsvorsätze und so einen Quatsch mach ich nicht mehr, das klappt sowieso nicht. Aber ich nehme jetzt an einer Yoga, Fitness oder gar Happy Life Challenge teil. Come on whats the difference? Naja doch es gibt einen kleinen feinen Unterschied es ist alles in vermeintlich machbare Häppchen aufgeteilt, also Selbstverurteilung in kleinen Schritten. Soweit so gut. Aus meiner Perspektive verbinde ich Challenge meist mit mindestens zwei Personen. Eine battelt sich quasi mit der anderen. Ganz nach dem Motto: Möge der bessere gewinnen. Aber mit wem battle ich mich, wenn ich die Challenge nur für mich mache? Mit meinem ungezügelten Ich? Meinem inneren Schweinehund? Und ist das nicht schon zum Scheitern verurteilt? Jaja mir ist das schon klar mit diesen Gewohnheiten. Nach 30 Tagen Durchhaltevermögen sollen sie etabliert sein diese neuen Gewohnheiten. Die Frage die anfangs doch meist schon vergessen ging: Mach ich diese Challenge, weil sie mir wahrhaftig guttut oder trickse ich dadurch nicht einfach mich selbst aus, indem ich wieder einem Ziel hinterher eifere, weil mir die Medien/Gesellschaft suggerieren so sein zu müssen. Spannend ist doch zu entdecken (auch wenn aus meiner rein subjektiven Wahrnehmung): Erfolgreiche Menschen arbeiten extrem hart und eifrig, aber keinen Einzigen/ keine Einzige den/die ich gefragt habe, hat irgendeine dieser wahnsinnigen Challenges absolviert. Ich darf dennoch nicht vergessen zu erwähnen, ich messe hier Erfolg nicht an äußeren Merkmalen wie dem perfekten Body Maß Index. Provokativ aber vielleicht mit einer Prise Wahrheit kommt es mir so vor: Challenges sind genau für diejenigen gemacht die einer Illusion von sich selbst hinterher rennen der sie nie gerecht werden können. Und bevor ich jetzt ausgepfiffen werde, ich spreche aus Erfahrung ihr Lieben. Nachdem ich selbst durch das zum Scheitern verurteilte Challenge Wunder gelaufen bin.

Anfang des Jahres noch berichtete ich einem Bekannten, ich würde jetzt jeden Tag direkt nach dem Aufstehen joggen gehen und mich damit quasi auf der Überholspur zu befinden. Ein Überbleibsel der damaligen Essstörung die fälschlicherweise suggeriert nur ein perfekter und gutaussehender Körper ist erfolgreich. Zum Glück bin ich aber heute schlauer als früher und stellte schon nach 3 Tagen fest, was für einen Bullshit ich dort fabrizierte. Denn wenn ich mal ehrlich bin schlendere ich am liebsten morgens mit meinem Schlafi in die Küche, schmeiß die Kaffeemaschine an, mache einen einzigen Sonnengruß und setzt mich dann mit meinem Hafercappucino vor meinen PC, check meine Emails und schreibe die ersten Zeilen und bin quasi zufrieden. Während ich mich dabei erwische darüber zu philosophieren, dass ich doch gelesen habe Morgensport verändert alles. Erst mal eine Stunde Me-Time morgens und dann erst an den Laptop. Lieber Matcha Latte als Kaffee…STOP. Jetzt mal wirklich Brain Power an und überlegen was brauchst du und nicht was raten dir diese etlichen Life Coaches und Health Gurus. Ich bin bekanntlich Nachteule durch und durch. Aber wenn mein Wecker früh morgens klingelt dann will ich verdammt nochmal in den Tag reinsliden und nicht schon wieder ein Aktivity To Do, das stichelt „Hallo auf geht’s schlechtes Gewissen“.

Von dieser grotesken Aussage “Erschaffe die beste Version von dir”. Stets den inneren Kritiker im On Modus. Die unentdeckten Potentiale die nach Entfaltung schreien. Aber mit welchem Ziel? Danach beginnt DAS Leben. HA. Reingefallen. Einen Synapsen Sprung weit entfernt stehst du vor dem Zwerg im Kopf der dir dann Tag ein Tag aus erzählt: Wenn dieses Ziel erreicht ist, dann geht das Leben los…im Hintertürchen schon wartend die nächste Challenge. Schnell noch hier etwas absolvieren. !Überreflektieren! !Optimierungswahn! Aber dann kann das Leben beginnen. Wie wäre es vielleicht anstelle dessen das Leben beginnen zu lassen? Genau jetzt. Mit der Version von dir, die du gerade greifen kannst. Uns eingestehen das wir alles sein dürfen und aufhören zur rennen bis uns der Atem ausbleibt.

Und zurück zum Anfang, wenn du dir für die Erkenntnis jemand zur Hand nimmst, so what. Aber lass dir nicht erzählen was für dich gut ist. Fische nach deinen Ressourcen. Pack die Dinge an und geh in deinem Tempo Richtung „So fühl ich mich gut“. Vielfalt ist wichtig und richtig.  PS.: Ich weiß schon was diese Challenges bewirken sollen. Ein Anfang. Aber sie sollten doch eher Entschluss oder Lösungsfindung heißen. Als lebenslange Herausforderung die sich zur alltäglichen angenehmen Begleitung wendet und nicht nach 30 Tagen verschwimmt.  

Denn wenn ich eins aus meinem subjektiven Erfahrungsschatz lernen durfte: Erfolgreiche Menschen fangen einfach an. Das Leben ist Challenge genug. Also fang einfach an, jetzt, hier und heute. In deinem Tempo.  

Foto von Elly Fairytale von Pexels