Die Macht der Stimme im innen und außen

Wieso ich niemals Popstar werde und dennoch meinen letzten Groschen an die Musik verliere.

Meine Stimme. Schneckengleich. Langsam und dunkel auf Bassebene kriechend. Diese Eigenschaften brannten sich unbewusst als Glaubenssatz in meinen noch untrüglichen Verstand. Ungewollt manifestierte ich diese Merkmale indem ich es fast beschämt mitteilte bevor ich sprach. Die Pubertät schritt voran und meine Töne verstummten, nicht auffallen, nicht erklären müssen wieso meine Stimme so klingt wie sie klingt. Als mein Körper wieder an Lebenskraft gewann, kehrte auch wieder Energie in meine Stimme zurück, doch in meinem Kopf war sie noch die schwunglose, monotone Spielgefährtin.

Unterbewusst begann ich wohl damals schon mit der Selbsttherapie. Durch den Auftritt einer spirituellen Yoga Tante, welche nur über Sex quatschte (wieso mir damals diese Rolle zugeschrieben wurde. You never know) musste ich meine Stimme, auch wenn nur kurz, vorm tuschelnden Publikum erheben. Ich liebte es. Wenn ich meinen Kopf ausschaltete machte sie sich ganz ungehindert bemerkbar. Mein Fahrlehrer witzelte nach der Fahrstunde „was für eine Engelsstimme.“ Mit wem spricht er?? Schock! Denn ich hatte nicht gemerkt wie ich mich während der Fahrt mit dem Radiogesang battelte. Bald darauf mussten meine MitbewohnerInnen meinen ununterbrochen nach Kippen Schachteln klingenden Gesang während jeden Duschganges ertragen. Doch obwohl ich seit meinem Auszug fast durchgängig mit MusikerInnen zusammen wohnte nutze ich diese Gelegenheit kaum. Chance aus Schüchternheit vertan. Eine Schande. Einmal fasste ich doch den Mut und mein damaliger Mitbewohner prophezeite mir ich würde doch fast jeden Ton treffen. Ich dachte natürlich der lügt, vielleicht hat er das auch 😀 dem Hausfrieden zur Liebe, denn die WG war schon turbulent genug.

Das Vorhaben sich der von Kritik und Zweifel belastenden Vergangenheit zu stellen indem ich meine Stimmlippen zum Schwingen brachte verschwamm und ertrank im Bad neuer Emotionen. Als angehende Erzieherin hieß es, wenn ich eine Gruppe leiten möchte, dann müsste ich auch Töne auf der oberen Stimmleiter bezwingen. Bääm schlag auf die Ligamentum Vocale, aber die aufkochende Wut brachte mir den Gedanken nahe mit Stimm- und Gesangsunterricht dem Ganzen endlich ein Ende zu setzen und der Welt da draußen zu zeigen ihr könnt mich mal…. Ein besonnenes, mutiges Gemüt ließ dennoch auf sich warten und so tat ich meine Angst leichtfertig damit ab: Singen ist was für Profis. Nur wer Talent hat und großes erreichen möchte nimmt Gesangsunterricht. Ansonsten sowieso viel zu teuer. Traurigerweise fand ich im engen Umfeld viel Zuspruch in dieser grotesken Aussage. Obwohl ich mit 18 doch gelernt hatte, dass es sich lohnt in Träumereien zu investieren. Dieser vernünftige Gedanke war dennoch unter dem Schattenkind begraben. Jammerschade. Dann kam die Fitnesskarriere und ich musste gegen ein älteres im Wasser plantschendes Publikum im wahrsten Sinne des Wortes anschreien. Die Stimme machte eine Zeitlang mit und versagte in regelmäßigen Abständen. Resonanz erzeugen war mein Mantra. Auch wenn die alten Damen und Herren meinen sportlichen Anweisungen nun folgen konnten, weil ich mit voller Power die beste Show lieferte, fiel ich abends platt ins Bett und mein zarter Bass Beat legte sich krächzend zur Ruhe. Mich ließ der Gedanke nicht los, dass da nicht mehr rauszuholen war. Also ging ich zum HNO und siehe da es hatte sich etwas auf meinen Stimmlippen niedergesetzt. Natürlich bestand ein Restrisiko meine Stimme schlimmstenfalls komplett zu verlieren oder nicht wiederzuerkennen. Mit jugendlichem Leichtsinn unterzeichnete ich alle Komplikationen, festentschlossen diese OP auf mich zu nehmen. Schlimmer konnte es ja nicht werden. Ok zugegeben Bauchschmerzen hatte ich bei der ganzen Sache schon aber nur vor der Narkose. Danach erst mal drei Tage Redeverbot. Da merkte ich wie schwer es war unfreiwillig zu schweigen und wie nützlich das manchmal verfluchte Handy mit seiner Textnachrichten Funktion. Ich hatte Glück, ein Freund umsorgte mich wunderbar und erleichtere mir damit das Abwarten bis zum ersten Ton. Die Genesung war wohl Balsam für Seele und Sprachfärbung. Ich konnte es kaum fassen als ich wieder meine Stimme ertönen ließ, zum ersten Mal klang es nicht nach Kettenrauch. Ich traute mich Sprachnachrichten zu verschicken (ich hatte bis dahin die Funktion gekonnt ignoriert) und sie mir ganz wohlwollend selbst anzuhören. Zucker sag ich euch.

Dann kam 2020 und so nervenaufreibend und kräftezehrend dieses Jahr für uns alle war, habe ich mich wahrscheinlich vorher noch nie mit so viel Mut begossen. Woher diese treibende Kraft kommt, neben all den Offenbarungen, mein kleines Geheimnis. Ich entschloss mich mir meinen lang ersehnten Wunsch zu erfüllen und Gesangunterricht zu nehmen, anstrengend und erleichternd zugleich. Doch ganz so einfach war es nicht, neben neuer Technik musste ich auch all den seelischen Ballast abwerfen der auf meiner Kehle lastete. Glücklicherweise gab es mir die Freiheit endlich meine Stimme zu erheben, mich nicht mehr zu verstecken während ich mit Bravour Vorträge hielt und meine deepWork Athleten durch den Raum scheuchte. Ich bin so dankbar für diese Möglichkeit und diesen Entschluss. Corona machte mir dann einen kleinen Strich durch die Rechnung, Geldtechnisch und Ortstechnisch. Da waren sie dann wieder all die Stimmen die mir sagten: “Ist doch viel zu teuer, du wirst doch sowieso keine Sängerin.! Haha. NEIN. Aber muss ich immer eine Profession anstreben um meine Stimme erklingen zu lassen. Denn eins ist sicher: wenn meine Emotionen schwer auf mir lasten ist Gesang purer Balsam für meine Seele. Also lass ich mich auch von der Corona Craziness nicht in die Knie zwingen und absolviere seit neustem einen Workshop (online. versteht sich von selbst). „Wer will findet Wege“. Der Fokus liegt dabei auf dem Stimmtraining als Yoga Teacher und der fruchtbaren Kraft von Mantras. Was soll ich sagen ich Liebs! Wenn du während der Yoga Stunde im angenehmen Sprachklang deiner/s YogalehrerIn versinken kannst. That’s the Shit. Und ein Yoga Teacher Training steht ja auch noch auf der Agenda. Yihaa. Ich bin zuversichtlich das meine Stimme und ich zu einem verschmelzen im innen sowie im außen und ich sie auch für die wirklich wichtigen Dinge im Leben erheben kann. Tief ins Emotionsbad einzutauchen um sich zu befreien ist unabdingbar. Bonus: Es gibt mir zudem das Gefühl ganz Ohr zu sein in welcher Gefühlslage sich gerade mein Gegenüber befindet und intuitiver auf meine eigene innere Stimme zu hören. Zu gern verliebe ich mich nahezu in die Stimme meiner/s Gegenübers die mich dann mit sanften Gute Nacht Geschichten in den Schlaf wiegt.

In die Medien wird sie es wohl nie schaffen aber vielleicht in die nächste Meditationssession.

Alles in allem möchte ich dir mit dieser persönlichen Geschichte Mut machen dir keiner Investition zu schade zu sein, die dir dienlich ist. Babysteps mögen für andere nicht sichtbar sein, aber in dir Großes bewegen.

Bild von whoalice-moore auf Pixabay 

Romantischer Firlefanz

Da steh ich. Vor dieser Klippe. Den Höhenflug verpasst. Einen Zentimeter vorm Abgrund gelandet. Morgens die Meditation, abends die Kippe, um dieses Gedankenkarussell anzuhalten für ganze zwei Minuten, bevor es im Affentempo wieder losfährt.

Loslassen!“, pflanzt mir mein Mantra in die vor Liebe rasenden Nervenbahnen. Aber wieso überhaupt? Getränkt, ja fast ertrunken in meiner eigenen Liebe. Ich möchte sie loswerden, sie über dich schütten und dich in Wärme packen. Aber an der eisernen Mauer prallt sie ab und läuft in strömenden Wasserbahnen über meine Wangen. Freunde fragen mich was los sei. Ich lächle und sage nichts. Alles Gut. Ich kann mich nicht beklagen. Ich muss nur einfach vergessen. Geübt habe ich das schon etliche Male. Geglückt? Nein. Nie.

Ich will dich mit meiner Liebe nicht erdrücken, behalte sie für mich. Mein Körper krampft und zittert. Er hält dem Druck nicht mehr stand aus Angst vor Zurückweisung nicht sprechen zu dürfen. Als wolle er sie festhalten, um dich zu schützen. Dich vor deinem schlechten Gewissen bewahren, vor der Aufgabe mir zu sagen, dass du für mich keinen Platz an deiner Seite hast.

Ich wollte dir nicht weh tun und doch habe ich das Gefühl, es getan zu haben. Weil meine Sehnsucht so groß ist. Meine Liebe so stark. Weil jeder weitere Gedanke an dich schmerzt, als dürfte er nicht sein. Weil du nichts dafürkannst, dass du mit meiner Liebe nichts anfangen kannst.

Du hast sie verdient und doch darf sie nicht sein, durch die gesellschaftlichen Fesseln wurde sie so klein. Ich trage sie in mir am rechten Fleck, sodass niemand sie entdeckt.

Oh Baby, ich hätte dich so gerne hier, ganz nah bei mir. Ich würde dich lieben, so wie du bist. Verschmelzen im Hier und Jetzt und die Sehnsucht im Angesicht der Gegenwart ersticken.

Notiz am Rande: Sagt das Erwachsenen-Ich zum Schattenkind: „Höre auf deine Gefühle zu verstecken, Liebe schmerzt nicht, sie fließt und du musst sie frei lassen“.

 !Communicate with Love and the Rest will follow!